Schaumbad - Freies Atelierhaus Graz Art Brunch im Bad #47: Dan Robert Lahiani und Hannah Schneider (St.A.i.R.), Martin Grabner, Anne-Grit Becker

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Mo Aug 5 12:58:39 CEST 2019


Art Brunch im Bad #47: Dan Robert Lahiani und Hannah Schneider (St.A.i.R.)
Ausstellung und Gespräche der Styria-Artists-in-Residence mit Martin Grabner und Anne-Grit Becker

 
Sonntag 18.8. um 11:00 Uhr
Schaumbad - Freies Atelierhaus Graz
Puchstraße 41, 8020 Graz
http://schaumbad.mur.at

Dan Robert Lahiani (FR/IL) im Gespräch mit Martin Grabner 
Hannah Schneider (DE) im Gespräch mit Anne-Grit Becker
Moderation: Iris Kasper
Die in Graz entstandenen Arbeiten der beiden St.A.i.R. werden in einer Ausstellung präsentiert.

Dan Robert Lahiani und Hannah Schneider arbeiteten zwei (Lahiani) bzw. vier Monate (Schneider) in ihren Gastateliers im Schaumbad. Thematisch haben beide unabhängig voneinander verschiedene, im Grazer Stadtbild zu findende Aspekte in ihre Arbeit einfließen lassen. Gemeinsam ist den Arbeiten die Auseinandersetzung mit Bewegung - mit unterschiedlichen Herangehensweisen, differenten Medien und aus verschiedenen Blickwinkeln.

Die keramischen Faltenformationen von Hannah Schneider sind von den vielen, gewandreichen barocken Skulpturen, wie denen im Stadtpark, oder auf dem Dach des Mausoleums, sicher nicht unbeeinflusst geblieben. In einem Gespräch mit Anne-Grit Becker, Kunsthistorikerin und Assistentin für Moderne am Institut für Kunstgeschichte der Universität Graz, wird Hannah Schneider ihre Arbeit diskutieren.

Dan Robert Lahiani stellt in seiner Arbeit – in fotografischen und Video-Fragmenten – Verbindungen zwischen dem barocken Priesterseminar, in dem er lebt, und dem Industriegebiet im Süden von Graz, in dem sich  das Schaumbad befindet, her. Dan Robert Lahiani und der Fotograf Martin Grabner reflektieren in einem Gespräch über ihre künstlerischen Methoden, auch im Kontext visueller Stadtforschung.


Dan Robert Lahiani - „Dystique“, Hannah Schneider - „Trophäe" (2015), Aluminiumguß, Foto: Jean-Luc Ikelle-Matiba, „Faltenwurf" (2019), Keramik, Foto: Dan Robert Lahiani

Hannah Schneider
Hannah Schneiders künstlerische Arbeit ist durch ein grundsätzliches Interesse an Raum, Umgebung und Situationen geprägt. Viele ihrer Arbeiten loten das Verhältnis des Körpers zum Umraum in Objekten, Installationen und performativen Filmarbeiten aus. Architektur und Landschaft haben unmittelbaren Einfluss auf die überwiegend ortsbezogenen Installationen. Aspekte der Zeitlichkeit, die sich beispielsweise im Verdunsten des Wassers oder in der Schattenwanderung über einen Tagesverlauf hinweg zeigen, werden in Filmarbeiten verhandelt. Zeit und Raum, Licht und Schatten, Bewegung und Schwerkraft spielen eine immer neue Rolle. Die Arbeiten sind geprägt von einer besonderen Aufmerksamkeit für die physischen Eigenschaften des Raumes sowie für ephemere Vorgänge in der Natur und zeugen darüber hinaus von Hannah Schneiders Interesse für Kunst- und Kulturgeschichte.
Während des viermonatigen Stipendienaufenthaltes im Schaumbad Graz, hat sich die Kölner Bildhauerin überwiegend mit keramischer Plastik beschäftigt. Entstanden ist eine Reihe von präzise gearbeiteten, dünnwandigen Faltenwürfen aus schwarzem Ton. Als Skulptur umhüllende Zierde, Ummantelung oder Abdeckung von der Antike bis heute wohlbekannt, wird hier das Tuch selbst thematisiert. Die Flüchtigkeit einer dahin geworfenen Tuchhülse bleibt dem gehärteten Keramikwerkstück erhalten und reiht sich in die skulpturale Tradition ein.

Dan Robert Lahiani: Gier und Überleben.
Bewegung hat sich für mich als einzige Möglichkeit erwiesen, dieses fantastische Gefühl der Verlorenheit zu erfassen – alles erscheint grenzenlos versunken in Graz, einer Stadt mit einer schwierigen Vergangenheit.
Sommer. Ich nehme Teil am außergewöhnlichen Spektakel der revitalisierenden und urbanen Umbauten von Graz:
Ich bin ein Sommer-Arbeiter. Ich grabe in seinen Eingeweiden. Die ganze Stadt ist mein Künstleratelier. Eine Kamera haltend, „entlade“ ich meinen Geist und konstruiere neue Achsen der Gedanken. Ich fahre mit meinem Rad, gehe täglich laufen, vor und zurück, aus der inneren Stadt, mit ihren „Pirouetten“ im barocken Stil, ins Industriegebiet mit seinen brutalistischen Wohnbauten, stets in festgelegter Mission: in Bewegung zu sein. 
In dem Vorteil, die Stadt gar nicht zu kennen, ziehe ich neue topographische Linien zwischen ihr und ihrer Peripherie. Deswegen kann ich die Erforschung ganz meinen Sinnen widmen und mich in einen menschlichen Detektor transformieren für Formen, Texturen, Gerüche, Energiepunkte und Energiemängel. Immer auf der Suche nach Komposition. Wenn ich Personen in Aktion sehe, werde ich schließlich spontan zum Detektiv und folge unweigerlich ihren Tätigkeiten.
Ich fotografiere und erschaffe meine eigenen landmarks der Stadt inmitten von Industriefabriken/Häusern. Ich durchdringe ihre Tiefen, trete an Statuen heran, umkreise Gebäude, fotografiere die Substanz von Baustellen. Durch mein vorgegebenes 35mm Objektiv erfasse ich meine Distanz zu jeglicher architektonischen Einheit oder Fragmenten von Dingen. Mein Körper fühlt, ob er sich von dem, was/wer mit mir interagiert wegbewegt oder sich annähert. Wenn ich meinen Kopf nach links drehe, sehe ich was links passiert – wenn ich meinen Kopf nach rechts drehe, sehe ich was rechts passiert und wenn ich nach oben schaue sehe ich was am Himmel passiert.  
Ausdehnung der Beschränkungen, Innenräume. Ich erforsche unerbittlich den Ort, an dem ich untergebracht bin, das Priesterseminar, ein Bauwerk, das ein halbes Jahrtausend alt ist. Das Ziel meiner Erforschung ist es, seine Anordnung, seine verschiedenen Schichten von Raum und Zeit zu begreifen. Ich fotografiere sein beeindruckendes Refektorium täglich und konfrontiere mich permanent mit Aspekten von Architektur und Ritualen, im Rhythmus der Klänge der Glocken. 
In meinem Atelier im Innenraum des Schaumbades, umgeben von einer Industrielandschaft, setze ich die Arbeit mit der Bewegung fort. Der Fokus liegt dabei auf den körperlichen Anstrengungen, ich versetze meinen Körper im gegebenen Raum in Bewegung. Diese ausgeführten Bewegungen geben die Energie meiner täglichen Streifzüge durch die Stadt und das Zusammentreffen meines Körpers mit den Fragmenten von Graz wieder. 
Wie lang wird die Bewegung andauern?


Biografien:
Dan Robert Lahiani ist französisch-israelischer Künstler, ansässig in Jerusalem. Sein Denkansatz bewegt sich zwischen Architektur, Körperbewegung/Performance und der Struktur von gesprochener Sprache. Seine Arbeiten decken verschiedene Blickwinkel der Medien Video und Fotografie ab und reichen von Videoinstallationen zu kinematographischen Ein-Kanal Arbeiten. Lahiani hat seit 2011 einen Master in Ingenieurwesen und schloss sein Studium an der Bezalel Akademie für Kunst und Design 2017 mit einem B.F.A. ab. Er hatte Einzel- und Gruppenausstellungen in Galerien und Museen, z.B. im Jerusalem Artists’ House (Jeusalem,IL. 2018), The Contemporary Jewish Museum (San Francisco, US, 2017), Mana Contemporary Chicago (Chicago,US, 2017), Nikolaj Kunsthal (Copenhagen, Denmark, 2017), p8 Gallery (Tel Aviv, IL, 2019), Art Cube Artists’ Studios (Jerusalem. IL., 2019). Seine Videoarbeiten waren bereits Teil von internationalen Filmfestivals, wie dem Berlin Experimental Film Festival (2017), oder dem Blow-Up film festival (Chicago,US, 2017). Seit 2018 arbeitet Lahiani in seinem Atelier in den Art Cube Künstler*innen-Ateliers in Jerusalem, Israel.

Hannah Schneider, geboren 1984, studierte Bildhauerei und war Meisterschülerin von Ulrike Großarth und Monika Brandmeier an der HfBK Dresden. Bisherige Förderpreise und Stipendien u.a. Debütantenförderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (2010), Rhenania Kunstpreis (2011), Deutsch-Französischer Kunstpreis, Contemporary (2013), Artist in Residence das weiße Haus, Wien (2014), Alanus Kunstpreis (2014), Stipendium Künstlerdorf Schöppingen (2018), Styria-Artist-in-Residence des Landes Steiermark (2019), Gustav- Weidanz-Preis (2019). Einzelausstellungen u.a in der Kunsthalle Kempten (2010), Museum Siegburg (2015), Museum Füssen (2016), Künstlerforum Bonn (2017), Matjö Raum für Kunst, Köln (2018). Projekte im öffentlichen Raum, Nikolaikirche Torgau (2017), Vorgebirgspark Köln (2018). Ausstellungsbeteiligungen u.a. an der Tegnebiennale in Moss, Norwegen (2010), Jahresgaben, Bonner Kunstverein (2010), Artothek Bonner Kunstverein (2012), Destination Wien, Showroom Galerie Hrobsky (2015), Examples to follow! (2018/19). 

Anne-Grit Becker studierte Kunstgeschichte, ostasiatische Kunstgeschichte und Religionswissenschaft in Berlin und Paris. 2018 wurde sie mit einer Arbeit zum Thema „Körperabdruck und Bildprozess. Materialität der Zeit bei Cy Twombly und Robert Rauschenberg“ an der Freien Universität Berlin promoviert. Von 2012 bis 2015 war sie Stipendiatin der Gerda Henkel Stiftung, 2012 erhielt sie ein Forschungsstipendium an der NYU. Neben Lehrtätigkeiten an der Universität der Künste Berlin war sie bis 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut der FU Berlin; seit 2019 ist sie Universitätsassistentin am Institut für Kunstgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der US-amerikanischen Kunst nach 1945, der Kunsttheorie und Kunstkritik. Grundlegend für Forschung und Lehre sind phänomenologische Zugänge zum Bild, Fragen nach dem Zusammenspiel von Materialität, Körper und Zeit sowie den Dynamiken intermediärer Kunstpraktiken.

Martin Grabner, geboren 1979 in Graz, hat in Graz und Wien Architektur studiert und ist Absolvent des Kollegs für Fine-Art Photography und MultimediaArt an der Ortweinschule Graz. Im Spannungsfeld von Kunst und Forschung beschäftigt er sich mit Stadt, Architektur und Gesellschaft.
Seine fotografischen und cinematografischen Arbeiten versteht er als visuelle Stadtforschung. In ihrem Fokus liegt die Erforschung, Diskussion und Interpretation der Beziehung zwischen Mensch und Raum, insbesondere die räumlichen Manifestation gesellschaftlicher Bedeutungen und von Veränderungen in der Produktion, Benutzung und Rezeption von Alltagsräumen. Aktuell beschäftigen ihn der urbane Raum als neoliberaler Bildraum und die Privatisierung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raums: Inklusion, Exklusion und Segregation, sichtbare und unsichtbare Grenzen und die (Wieder-)Aneignung von Raum durch urbane Praxis.
Die Arbeiten von Martin Grabner wurden in mehreren Einzel- und vielen Gruppenausstellungen gezeigt und ausgezeichnet, u.a. 2014 mit dem Fotoförderungspreis der Stadt Graz.


Vorschau auf den Herbst:

Maschinendivas

Am 20. September geht es weiter mit der Ausstellung „Maschinendivas“ im Parallelprogramm zum „steirischen herbst“.
Eröffnung: Freitag 20.9. um 18:00 Uhr mit Performances von Moon Ribas, Andrea Sodomka und Cyberdiva

Künstlerinnen: Shu Lea Cheang, Anna Dumitriu, Evelyn Loschy, Melinda Rackham, Moon Ribas, Boryana Rossa, Andrea Sodomka, Mare Tralla, Helen Varley Jamieson.

Wurde Frauen bis in die jüngste Vergangenheit hinein der kompetente Umgang mit Technik und somit die Fähigkeit zur Mitgestaltung unserer schönen neuen Welt abgesprochen, bewegen sich heute zahlreiche Künstlerinnen zwischen Internetbühnen, interaktiven VR-Installationen und Robotik. Die Ausstellung Maschinendivas – Virginia Eubanks prägte diesen Begriff in einem Interview mit Survival Research Laboratories – gibt einen Einblick in den vielfältigen Umgang von Künstlerinnen mit den Möglichkeiten der neuen Technologien.
Andrea Sodomka und Eva Ursprung arbeiteten von 2007 bis 2009 im Rahmen eines Projekts von IMA - Institut für Medienarchäologie an einer Standortbestimmung von Künstlerinnen, die sich im weitesten Sinn mit „Maschinentheater“ beschäftigen – also mit der Idee eines kinetischen, elektro-mechanischen, opto-phonetischen Theaters; eines Theaters im Bühnen- und Cyberraum; eines Theaters im weitesten Sinne; ein Theater, das mit den heutigen Strukturen, Techniken und Gedanken arbeitet.
Ausstellung von 21.9.–20.10., Di–So 14:00–19:00. Eintritt frei.


Art Brunch im Bad: Sonntag 22.9. um 11:00 Uhr
Künstlerinnengespräche und Vorträge zum Projekt „Maschinendivas“: Andrea Sodomka & Eva Ursprung, Evelyn Loschy, Moon Ribas, Boryana Rossa, Mare Tralla.


ORF - Lange Nacht der Museen: Samstag, 5. Oktober von 19:00 - 24:00 Uhr
Führung durch die Ausstellung „Maschinendivas“ und Filmprogramm zu den mannigfaltigen Beziehungen von Frauen und Technik.

Kurzfilmprogramm „Mädchenträume 2.0“ (20:00 / 23:00)
Mara Mattuschka / Gabriele Szekatsch - „Unternehmen Arschmaschine“ (AT 1997, 17 min.)
Adina Camhy - "Mensch Maschine Or Putting Parts Together“, (AT 2019, 8:00 min.)
Aleksandra Czerniawska - „Woman with a Movie Camera“ (PL 2018, 15:00 min)
alien productions - "The Well-Tempered Kitchen“ (AT 2004)
LIA - "Fly Us to The Moon“ (AT 2017, 6:00 min.)

21:00: "Dreams Rewired / Mobilisierung der Träume“ (UK 2017, 87 Min.)
Dokumentarfilm von Manu Luksch, Martin Reinhart & Thomas Tode (2015, 87´). Sprecherin: Tilda Swinton. 

Kuratiert von Eva Ursprung


Unterstützt von steirischen herbst, der Kunstsektion des Bundeskanzleramtes, dem Kulturamt der Stadt Graz und Land Steiermark Kultur, Europa, Außenbeziehungen.
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