Jährlich am zweiten
Dienstag im Oktober findet der internationale Ada-
Lovelace-Tag statt. An diesem Tag wird verstärkt
darüber informiert, dass das erste „Computerprogramm“
in den Jahren 1842-1843 von einer Frau geschrieben
wurde und der Fokus auf die Leistungen, die von Frauen
in der Informatik, Mathematik, Technik und in den
Naturwissenschaften erbracht wurden und werden
gerichtet – es gilt, der
Marginalisierung, wenn nicht gar dem Vergessen der
Rollen, welche Frauen im Rahmen der Computertechnik
und ihrer Geschichte spielen, Information und mediale
Aufmerksamkeit entgegenzusetzen.
In ihren Anmerkungen zur Rechenmaschine von Charles Babbage – dem Erfinder der „Analytical Engine“ – die sie schlicht Notizen nannte, entwickelte Ada Lovelac ein Programm (Notiz G), mit dem die bisher nur konzipierte Rechenmaschine eine komplizierte Folge von Zahlen, die sogenannten Bernoulli-Zahlen, schrittweise berechnen könnte. Diese Arbeit wurde in The Ladies Diary or Woman‘s Almanack, einer 1704 gegründeten Frauenzeitschrift veröffentlicht.
Außerhalb der Fachgebiete Informatik und Mathematik wurde Ada Lovelace durch die künstlerische Filmprojekt „Conceiving Ada“ (1997) von Lynn Hershmann bekannt. Sowohl Lynn Hershmann wie auch Donna Harraways Fiktion einer feministischen Cyborg sprechen für die Hoffnungen und Erwartungen vieler Feministinnen auf neue Chancen und Veränderungen die mit der Entwicklung des Internets und der damit verbundenen Technologien entstehen. Doch in dem Maße, in dem heute sich das cyberfeministische Bestreben mit den medientechnischen und gesellschaftspolitischen Realitäten verbindet, breitet sich Ernüchterung aus. Was ehemals subversiv sich verstand, findet sich bestenfalls nun im Lager der Kommerzialisierung wieder.
Schon Ada Lovelace warnt vor "übertriebenen Erwartungen an die Möglichkeiten der Analytischen Maschine", wenn sie schreibt "Wo es um Neues geht, besteht nur allzu häufig die Tendenz, zunächst einmal zu überschätzen, was uns interessant und bemerkenswert vorkommt – um sodann, in einer Art natürlicher Gegenreaktion, den tatsächlichen Wert zu unterschätzen, wenn wir entdecken, dass unsere Reaktion über das Ziel hinausgeschossen ist".
Viele, die sich von den Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Internet neue Chancen aus demokratischen, sozialen oder feministischen Perspektiven erhofft hatten, sind zutiefst enttäuscht, weil das Netz von Geheimdiensten kontrolliert, nur von einigen grossen Konzernen beherrscht wird. Umso mehr bedarf es Menschen, die sich nicht resignierend zurückziehen, sondern die die Leidenschaft und die Energie aufbringen, sich mit den Techniken der Digitalen Welt auseinanderzusetzen, um wieder Einfluss auf ihren Einsatz zu bekommen und ein Regelwerk für den Umgang mit Digitalen Technologien zu schaffen.
Medienkunstprojekte bieten die Möglichkeit, sich über die (ästhetische) Wahrnehmung hinaus, mit den verwendeten Technologien und Programmen auseinanderzusetzen, Fragen über deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft sowie auf unser individuelles Leben zu stellen und verschiedene Facetten von Ideen, wie zum Beispiel Standpunkte einer trans-humanen Ethik (der Tiere, der Erde, des Kosmos) zu simulieren und damit uns Menschen zu einem reflektierten Umgang mit Maschinen und Systemen anregen.
Anlässlich des Ada-Lovelace-Days laden wir heute von 18 - 20 Uhr zu einer offenen Gesprächsrunde mit Künstlerinnen und Künstlern in unsere aktuelle Ausstellung EMPATHY SWARM, CURIOUS TAUTOPHONE AND DR. DOPPLERS MACHINE von Katrin Hochschuh und Adam Donovan ein.